07. Dezember 2018

500 Jahre Oberes Schloss – Vortrag zur Schulgeschichte in Neuhausen

Wechselvolle Geschichte eines Ortes – wechselvolle Schulgeschichte

Thomas Wiedenhorn von der PH Ludwigsburg/Weingarten gab in einem Vortrag im Oberen Schloss Einblicke in die Entwicklung der Schulen, in Deutschland, Württemberg und Neuhausen. Eingeladen hatte ihn die Gemeinschaft für Heimatgeschichte, Anlass war das Jubiläum „500 Jahre Oberes Schloss“. Denn vor dem Bau des Schulgebäudes auf dem Fuchs’schen Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft war das Obere Schloss unter anderem Schulhaus. Vor der umfassenden Sanierung in den Jahren 2007 bis 2011 wurde es deshalb von vielen als Altes Schulhaus bezeichnet.
Schulen gibt es bereits seit rund 5.000 Jahren, in der griechischen Antike etwa dienten sie der Muße und dem Moratorium im Sinne einer Entpflichtung. Im Zuge der Christianisierung wurden ab dem 5. Jahrhundert erste Klosterschulen in Deutschland gegründet, im 13. Jahrhundert dann erste Stadtschulen, unter anderem in Esslingen 1279 eine klassische Lateinschule. Im Jahr 1639 wurde die Schulpflicht eingeführt, auch in Neuhausen, sie wurde aber auch in den kommenden Jahrhunderten nicht strikt eingehalten, allein 1837 wurden in Neuhausen in einem Schuljahr 6.278 Versäumnisse verzeichnet. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dann das moderne Schulsystem, unter anderem wurden Lehrpläne und die Lehrerausbildung verpflichtend.
Wiedenhorn zeigte die Reformation als Ausgangspunkt für die Anfänge gesellschaftlicher und religiöser Entwicklungen und einen dynamischen Entwicklungsprozess. Und der Unterricht und die Schulordnung in Neuhausen waren abhängig von der jeweiligen Herrschaft. Ab 1381 gehörte Neuhausen Herzog Leopold dem Frommen von Österreich und wurde vom zuständigen Lehenshof in Innsbruck verwaltet. Alexander von Rotenhan löste knapp 400 Jahre später die Lehensverträge ab und verkaufte Neuhausen 1769 an das Fürstbistum Speyer. 1803 fiel Neuhausen an Baden und 1806 wurde es schließlich württembergisch.
1559 wurde die erste württembergische Schulordnung auf Initiative des Herzogs Christoph verabschiedet. Darin wurde festgehalten, dass jeder Ort eine Schule bekommen solle, Jungs und Mädchen unterrichtet werden sollen „das war revolutionär“, eine gute Zucht herrschen und die richtige Lehre verbreitet werden solle. Außerdem sollten die Schülerinnen und Schüler leistungsorientiert in drei Häuflein unterteilt werden. Ein klares Berufsbild für einen Schulmeister wurde allerdings nicht entworfen.
1586 wurde die vorderösterreichische Schulordnung erlassen. Sie sah ebenfalls vor, dass sowohl Jungen als Mädchen unterrichtet werden und sie gab die Inhalte wie Alphabet und Vaterunser vor. Ein Großteil der Schulordnung befasste sich ausschließlich mit der Entlohnung der Lehrkräfte. Diese Schulordnung erschien später als die württembergische – mit weniger Inhalt. 1785 wurde vom Fürstbischof die Speyrer Schulordnung erlassen. Sie sah eine Schulpflicht für Kinder von 6 bis 14 Jahren vor, die Schulpflicht wurde nun auch umgesetzt, da es eine funktionierende Verwaltung gab, die Qualifikation der Schulmeister wurde kontrolliert, auf dem Stundenplan standen Lesen, Schreiben, Rechnen und Christenlehre. Und für alle jungen Erwachsenen ab 14 Jahren war bis zum 21. Geburtstag der Besuch der Sonntagsschule einmal im Monat Pflicht.
1559 gab es 190 Deutsche Schulen, Schulmeister waren meist Mesner und Pfarrer. Im Jahr 1599 ist kein Lehrer in Neuhausen aufgeführt, eventuell, so sagte Wiedenhorn, „war es ein Teilzeitberuf“. 1605/06 ist in den Quellen erstmals ein „gewester Schulmeister“ in Neuhausen zu finden, er war Maurer und Schulmeister und unterrichtete die Kinder in seinem Wohnhaus. 1644 stiftete Anna von Neuhausen ein Schulhaus. 1676 wurde das Haus in der Nonnengasse eigenmächtig von Dekan Maurer wieder verkauft, 150 Jahre lang war dann kein eigenes Schulhaus vorhanden. 1738 beschwerte sich ein Schulmeister über die schlechte Besoldung und 1792 wurde im Zuge einer Visitation von einem Schulraum im Mesnerhaus für 140 Kinder berichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts verdiente ein Schulmeister auch in Neuhausen durchschnittlich gut, für das Kirchenläuten bei Gewitter erhielt er inklusive Gefahrenzulage allein 40 Gulden, sein Verdienst insgesamt betrug 266 Gulden. 1810 wird in den Quellen noch von beengten Räumlichkeiten und einem schlecht qualifizierten Lehrmeister gesprochen, 1806 kam Neuhausen zu Württemberg, im selben Jahr kaufte die Gemeinde das Nonnenkloster. Bindend wurde nach 1810 auch der württembergische Lehrplan, der ergänzt wurde durch Natur- und Erdkunde, Geschichte und Gesundheitslehre, 1836 dann durch Zeichnen und Vaterlandskunde. 1811 zog die Schule ins Nonnenkloster ein, 1822 schließlich ins Obere Schloss.
Eingeführt wurde im frühen 19. Jahrhundert eine standardisierte Lehrerausbildung. In Esslingen wurde 1811 das Lehrerseminar gegründet, in Nürtingen 1843. Viele Neuhäuser Lehrer gingen aber nach Schwäbisch Gmünd ins Lehrerseminar, da dort katholische Lehrer ausgebildet wurden.
Wiedenhorn erwähnte einige weitere Besonderheiten: Thomas Friton (1817 bis 1875) war ein guter Volksschüler, er besuchte nach seiner Schulzeit das Lehrerseminar in Esslingen und 1836 wurde ihm als Lehrer in Neuhausen „Feuereifer in der Lehrtätigkeit“ bescheinigt, außerdem war er Organist und Mesner, ein Schulmeister mit christlicher Gesinnung. Ein Karriereknick folgte wenig später: 1850 erkrankte er, 1855 erwarb er in Bad Ditzenbach die Badeanstalt und baute es zum heute noch bestehenden Kurbad um.
Die erste Lehrerin in Neuhausen war Johanna Freudigmann (1891 – 1922), 40 Jahre Volksschullehrer war Josef Volk. Und vor der Naziherrschaft gab es in Neuhausen neben der katholischen Volksschule mit mehreren Klassen auch die evangelische Volksschule mit nur einer Klasse.