16. November 2018

Alte Urkunde in neuem Licht

Ausstellung Verena Könekamp „Transformation“ bis 11.1.2019 im Rathaus Neuhausen

In den Arbeiten von Verena Könekamp haben Farben eine enorme Strahlkraft, sie scheinen fast von selbst zu leuchten. Schicht um Schicht legt Verena Könekamp übereinander, hier transparent, dort deckend. Farben, die miteinander harmonieren – oder eben nicht. Die aber auf jeden Fall miteinander reagieren. So entwickeln sich Räume auf der Bildfläche in die Tiefe. Und als Steigerung dazu strahlen ihre Leuchtobjekte als farbiges Licht in den Raum hinein. Mit den unterschiedlichsten Wirkungen, abhängig von der Stoffart, vom Material und der Oberflächenstruktur. Derzeit sind einige ihrer Arbeiten im Alois-Heiss-Saal im Rathaus zu sehen. Auch die eigens für Neuhausen entstandene „Urkunde Neuhausen“. Verena Könekamp berührt den Betrachter, indem sie fokussiert, erzählt, auswählt, verwandelt und transformiert. Ein Teil einer Geschichte oder der Geschichte taucht plötzlich auf, in einem neuen Licht, in einer neuen Farbe, in einem neuen Kontext. Sie webt im übertragenen Sinn in die Textur des Stoffes Geschichte ein.Verena Könekamp ist gelernte Handweberin, Diplom-Ingenieurin Textildesign und seit 1998 freiberufliche Textildesignerin und Künstlerin. Seit 2012 hat sie ihr Atelier und ihre Siebdruckwerkstatt im Dettinger Park in Plochingen. Ihre Arbeiten sind an den unterschiedlichsten Orten zu finden, in Andachtsräumen, in Kirchen und Kapellen, in der Aussegnungshalle Hochdorf, in Kliniken und an der TU Berlin.Mehr als 50 Arbeiten hat sie in den vergangenen Jahren für die Daimler Services in Berlin gestaltet, einige Arbeiten dieser Werkgruppe sind nun in Neuhausen zu sehen. Basis der Serie „Maps 1899, 1945, 1961“ waren historische Stadtpläne. Und zwar genau von jener Stelle der Stadt, an der nun die neuen Gebäude der Daimler Services stehen. Sie verortet die Gebäude und alle Personen, die sich im Gebäude bewegen, immer sichtbar und nachvollziehbar an diesen markanten Punkt und sie bringt die Vergangenheit des Ortes in die Gegenwart. Die Jahrhundertwende im Kaiserreich, das Ende des Zweiten Weltkrieges und eben den Mauerbau. Sie hat die Stadtpläne im Druck leicht verrückt, sie hat verfremdet, Wichtiges von Unwichtigem getrennt, reduziert. Und so die Strukturen dieses Ortes, das Immerwährende, das Fortdauernde und die Veränderungen herausgearbeitet. Stadtansichten – Scapes - von Berlin finden sich auf den Hockern. Verena Könekamp hat aus einer Fülle an Stoffen und Motiven geschöpft, Farben kombiniert, mit außergewöhnlichen Ergebnissen.
Aus dem Jahr 1153 stammt jene Urkunde, in der Neuhausen über Bertold de Niwenhusen erstmals urkundlich erwähnt wird. Sie zählt zu den wichtigsten und wertvollsten Urkunden, die im Hauptstaatsarchiv aufbewahrt werden. Die Urkunde trägt das Majestätssiegel und ein feines, handgezeichnetes Monogramm. Sie soll sogar eigenhändig von König Friedrich I. Barbarossa unterzeichnet sein, mit einer feinen Linie von links oben nach rechts unten, dem so genannte Vollziehungsstrich. Auch diese Urkunde hat Verena Könekamp verfremdet und verwandelt. Sie hat sich Schritt für Schritt der Urkunde genähert, verschiedene Farben ausprobiert, verschiedene Kombinationen getestet. Ausgewählt hat sie für den Siebdruck nun mehrere Farben Rot und als Schriftfarbe Silber. Schrift und Bildgrund durchdringen sich, heben sich voneinander ab, verändern sich gegenseitig.

Bis 11.1., zu den üblichen Rathausöffnungszeiten: montags bis freitags (außer Mittwoch) 8:30 bis 12 Uhr und dienstags außerdem von 14 bis 18 Uhr.
Nicht geöffnet zwischen 22.12.2018 und 06.01.2019.