22. Juni 2018

„Von Kelten und Römern“

Serie Engagement im Bürgertreff Teil 16 – „Der Archäologische Weg“

Seit der Jungsteinzeit zählen die Fildern aufgrund guter Voraussetzungen wie gute Böden und einem ausreichenden Gewässernetz zu den wichtigsten Siedlungskammern in Südwestdeutschland. Mehr als 200 Fundstellen aus allen vor- und frühgeschichtlichen Epochen von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter sind bekannt. Auch auf Gemarkung Neuhausen gibt es mehrere Fundstellen. Der archäologische Wanderweg im Sauhag ermöglicht eine Exkursion zu „Kelten und Römern im Klosterwald“. Betreut wird die Volunteersinitiative „Archäologischer Weg“ im Bürgertreff von Bruno Goldner.
Wer nicht genau hinschaut, sieht nur bewachsene Hügel, in Wirklichkeit handelt es sich aber um eins der größten keltischen Gräberfelder der Kelten auf den Fildern. Die 15 Hügel stammen aus der Hallsteinzeit, die wiederum dauerte von 750 bis 500 vor Christus. Nicht weit entfernt befindet sich eine weitere Grabhügelgruppe, sie wird ebenfalls den Kelten zugeordnet. Bruno Goldner ist Kopf und Herz des „Archäologischen Weges“, bei Führungen mit ihm wird deutlich, wie und in welchem Kontext hier auf den Fildern vor zwei Jahrtausenden Menschen gelebt haben. „Führungen sollen mithelfen, das Interesse an der eigenen Umgebung zu wecken, wir alle haben eine Geschichte.“ Die Führungen sind interessant und regen die Phantasie an, erlauben etwa Einblicke in das Alltagsleben der Menschen damals. Und mit etwas Glück gelinge es ihm, ein Gefühl für die geschichtliche Kontinuität der Filder als Siedlungsraum zu wecken, so Goldner. „Es ist schön, wenn die Menschen dafür ein Bewusstsein entwickeln.“
Seit dem Jahr 2002 gibt es den „Archäologischen Weg im Sauhag und Horber Wald“ mit insgesamt 9 Stationen. Die Väter sind Josef Wahl als treibende Kraft, Herbert Geyer, Hartmut Scheuter und Bruno Goldner. Natürlich gab es ausführliche Vorplanungen, wissenschaftlich begleitet wurden sie vom Landesdenkmalamt. Gewidmet ist der Archäologische Weg dem Hobbyarchäologen Norbert Goldner, er hat viel zur Erforschung der Neuhausener Vor- und Frühgeschichte beigetragen. Und er war es auch, der gemeinsam mit seinem Bruder Bruno bereits Mitte der 1960-er Jahre das römische Gebäude im Horber Wald – Station 9 des Rundweges – entdeckt hat. Die Ausgrabungen erfolgten dann durch das Landesdenkmalamt. Nach der wissenschaftlichen Erfassung der Daten wurde der erhaltene Keller aus konservatorischen Gründen wieder befüllt. Der Grundriss des Gebäudes betrug 11 auf 13 Meter, der Keller war 3,5 mal 4,8 Meter groß. Ausgestattet war das Gebäude einst mit wunderschönen Gesimsblöcken und Halbsäulen am Eingang, möglicherweise war es nur ein Nebengebäude eines größeren Gutshofes.
Der Archäologische Weg ist 6,5 Kilometer lang, realisiert wurde er damals mit Hilfe von Sponsoren. Eine Tafel am Wanderparkplatz Sauhag erlaubt seitdem einen ersten Überblick und an allen Fundstellen sind weitere erklärende Tafeln aufgestellt. Insgesamt gibt es neun Stationen, die Fundstellen stammen aus der Zeit der Römer aus dem Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus, die Funde aus Keltenzeit sind rund 800 Jahre älter. An der „Riedquelle“ stand etwa auf dem Terrain eines mutmaßlichen römischen Gutshofes eine sogenannte Jupitergigantensäule. Gefunden wurde unter anderem ein römischer Gebäudekomplex mit 3 kleineren Gebäuden, in deren Nähe liegen wohl die Reste eines Merkurtempels, auch die römische villa rustica, das „Waldhäuser Schloss“ gehört in diesen Kontext. Die Gebäudereste nicht weit entfernt von den Lindenhöfen sind auch heute noch deutlich zu erkennen. Vermutet wird, dass die Dichte der römischen Villen in Zusammenhang mit der Versorgung des nur wenige Kilometer entfernten Kastelles Köngen-GRINARIO steht.
Die Idee an einigen Stellen Repliken aufzustellen wurde bisher nicht verwirklicht. Einige Repliken wurden aber angefertigt, sie sind derzeit nicht öffentlich zugänglich. Es gibt aber verschiedene Ideen, ausgewählte Fundstellen, Fundstücke und Exponate besser zu präsentieren. Bruno Goldner kündigt öffentliche Führungen immer über die Bürgertreffseite im Mitteilungsblatt an, wer einen Termin für eine Führung (auch für Schulklassen) direkt vereinbaren will, wendet sich an direkt an den Bürgertreff, telefonisch oder über info@dont-want-spam.neuhausen-buergertreff.de. Er lädt regelmäßig Referenten zu archäologischen Themen ein und es gibt verschiedene Kooperationen mit der Gemeinschaft für Heimatgeschichte. Außerdem organisiert er auch Exkursionen zu Ausstellungen und Fundorten, aktuell plant er eine Führung am Heidengraben in Hülben, auch dazu wird der Termin im Mitteilungsblatt bekannt gegeben.