Zeitgenössische Malerei aus drei Generationen

Blick in den Ausstellungsraum "Just paint it" in der Rupert-Mayer-Kapelle

25 Jahre Kunstverein Neuhausen – „Just paint it!“

Immer samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr ist die Ausstellung „Just paint it!“ in der  Rupert-Mayer-Kapelle geöffnet. Der Kunstverein Neuhausen präsentiert zu seinem 25-jährigen Bestehen 11 zeitgenössische Positionen aus drei Generationen: Orlando W. Baisch, Anna Jacobi, Christa Munkert, Jürgen Palmtag, Jan-Hendrik Pelz, Monika Plattner, Bettina Pradella, Kerstin Schaefer, Dorothea Schulz, Peter Sehringer und Fabian Treiber. Die Ausstellung zeigt Malerei voll Energie und Leidenschaft auf unterschiedlichsten Trägermaterialien von figurativer und gestischer Malerei bis zu abstrakter Malerei.

Einfach machen, ist seit vielen Jahren das Credo des Grafikers, Zeichners und Malers Orlando W. Baisch. Seine drei Arbeiten aus den Jahren 2008/09 hängen im ersten Stockwerk in einer Nische und zeigen einmal mehr seine große Meisterschaft zu kombinieren, zu agieren und zu reagieren und alles in einen perfekten Bezug zueinander zu setzen. Nicht weit entfernt sind zwei Wolkenbilder von Dorothea Schulz zu sehen, entstanden ist die Bilderserie zwischen 2014 und 2017. Grundlage ist nicht die Naturanschauung, die amorphen Wolken-Gestalten sind im Malprozess aus Leerstellen auf blauem Bildgrund entstanden. Jede für sich zeigt erfundene Natur auf der Basis tatsächlicher Natur und ist einzigartig. Der Jüngste ist der 1986 geborene Fabian Treiber, sein „Canoe“ von 2018 ist frech und witzig und steckt voller Zitate, nichts ist perfekt, manches anarchisch und doch fügt sich alles collagenartig zu einem vielschichtigen Gesamtbild. Anna Jacobi bearbeitet in ihren Tuschmalereien immer wieder ähnliche Motive und Themen, für das in den Raum mäandernde Bildobjekt in Neuhausen hat sie sie zerrissen und neu zusammengesetzt und viele neue Dimensionen erschaffen.

Ganz großes Format ist auch Jürgen Palmtags Arbeit, auch er beginnt einfach zu malen und schreibt dann die Arbeit im Prozess fort. Alles Figürliche entsteht zufällig und doch kristallisiert sich alles um diesen Kern und wird so im großen Format großes Kino und für jeden Betrachter anders und neu. Jan Hendrik Pelz zeigt in seiner Bodeninstallation „Room Number 1“ von 2016 Oasen der Ruhe und Entspannung. Oder doch nicht? Die Matratzen und Leintücher zeigen deutliche Spuren ihrer Nutzer. Sie selbst sind entschwunden, geblieben sind ihre Abdrücke.  „Blaukreuz“ hat die zweitälteste Teilnehmerin an dieser Gruppenausstellung, Christa Munkert, ihre 2014 entstandene Arbeit betitelt. Ein blaues Kreuz spannt sich in das Bild und ein wenig auch darüber hinaus, flankiert ist es von sattem Rot und getragen von klarem Weiß. Die Bilder leuchten intensiv, ziehen magisch an, verbinden sich mit dem Raum, heben sich von ihm ab und loten die Funktionsweise der Malerei aus. „Die helle und dunkle Seite“ von Monika Plattner entstand 2020, in ihren Arbeiten nimmt sie Bezug auf gesellschaftspolitische Themen und literarische Vorlagen, sie untersucht in einer „Doppel-Gesichtigkeit“ die Doppelmoral, zeigt das Sichtbare und Nicht-Sichtbare, das Helle und Dunkle ein- und derselben Person. Extremsituationen faszinieren Bettina Pradella, ihre Figuren zeigt sie nur als Ausschnitt. Im Fokus steht nicht eine identifizierbare Person, sondern eine Handlung und die Dramatik einer Situation, alles kumuliert in zerknüllten Plakaten und Absperrbändern, Gurten und Stofffetzen – und Händen. Arbeiten aus der Serie „Kristalle“ zeigt Kerstin Schaefer. Sie schafft Raum, allerdings einen multidimensionalen, der sich aus Schichten und Überschneidungen generiert und das Ungewohnte und das Ungewöhnliche feiert. Auch Peter Sehringer ist in Neuhausen kein Unbekannter und seit vielen Jahren Mitglied im Kunstverein. In der aktuellen Ausstellung zeigt er „Red Town“ von 2016. Auf vorbehandelte Holzplatten trägt er pigmentierte Farbmassen auf und schleift die Farbflächen teilweise wieder. In den Jahren 2015/16 entstand eine Bilderserie, die von Italo-Western, Cowboys und Helden erzählt und gekonnt und mehr oder weniger subtil Bildwelten und Bildebenen, Stereotypen, Muster und Erwartungen inszeniert.  

Bis 15.11.2020, Rupert-Mayer-Straße, 68 B. Der Eintritt ist frei.

Bitte beachten Sie die Abstands-Regeln und tragen Sie eine Mund-Nasen-Maske, Desinfektionsmittel steht bereit.
Webseite Kunstverein Neuhausen