Virtuos und elegant

Das Ensemble Divertimento mit Waltraud Falardeau (Rezitation), Sabine Burkhardt (Flöte) und Andreas Baumann (Piano)

Die Bücherei hatte zu einem literarisch-musikalischen Abend eingeladen

Das Ensemble Divertimento mit Waltraud Falardeau (Rezitation), Sabine Burkhardt (Flöte) und Andreas Baumann (Piano) war schon häufiger auf Einladung der Bücherei zu Gast in Neuhausen. Zuletzt Anfang März 2020 mit einem Programm über Friedrich Hölderlin. Marianne Ruckdeschel, die Leiterin der Öffentlichen Katholischen Bücherei - Mediathek betonte: „Das war die letzte Veranstaltung von uns vor Corona und ist jetzt eineinhalb Jahre her, es war eine lange Zeit und Durststrecke für uns alle.“

Der Veranstaltungsort für den literarisch-musikalischen Abend zu Beethoven Mitte November – das Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde – war gewählt worden, weil dort etwas mehr Besucherinnen und Besucherzugelassen waren. Trotzdem blieb die Anzahl der Gäste klein, alle hielten Abstand und trugen während der gesamten Veranstaltung Masken.

„Die Hoffnung nährt mich“ - Ludwig van Beethoven, Festveranstaltung zum 250. (+1) Geburtstag war der Titel des literarisch-musikalischen Abends. Tatsächlich konnten viele der ungezählten geplanten Veranstaltungen zum 250. Geburtstag des Musikgenies im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Die Musik Beethovens ist weltweit bekannt, er zählt bis heute zu den wichtigsten Komponisten der Welt. Flankiert von vier Stücken Beethovens spielten die Musiker auch Werke von Johann Sebastian Bach, Gaetano Donizetti und Wolfgang Amadeus Mozart. Sie spielten pointiert und überzeugend, interpretierten gekonnt, virtuos und elegant.

Gewohnt facettenreich blätterte Waltraud Falardeau das Leben des Ausnahmekünstlers auf, sie erzählte vom frühen Verlust der Mutter und der Abwesenheit und dem Tod des Vaters, von der Last der Verantwortung für die Geschwister und später für seinen Neffen, von der Entwicklung des jungen Genies zu einem von Adeligen geförderten, viel gespielten Komponisten. Der sich immer auch für Literatur, Philosophie und Politik interessierte und aus vielen von gegenseitiger Wertschätzung getragenen Begegnungen mit zeitgenössischen Künstlern Kraft, Energie und Impulse schöpfte. Und der schon vor seinem 30. Lebensjahr mit einer beginnenden Taubheit zu kämpfen hatte. Viele Zeitgenossen bemängelten seinen Eigensinn, Verständnis für sein manchmal ungeduldiges Verhalten erbittet er in Briefen, als Grund nennt er sein nachlassendes Hörvermögen und die damit verbundenen zahlreichen, teilweise schmerzhaften ärztlichen Behandlungen. Seine Wohnungswechsel in Wien sind ungezählt, „3-stellig“, wie Falardeau betonte. Für wen genau Beethoven „Für Elise“ komponiert habe, wisse man nicht, auch nicht, ob er Mozart jemals wirklich getroffen habe. Geheimnisvoll bleiben auch seine Liebesbeziehungen. Und obwohl seine Werke international aufgeführt wurden, blieb er finanziell von den adligen Mäzenen abhängig.

So brachte der Abend manch Bekanntes, vieles Unbekannte und manch Überraschendes, umrahmt von wunderbarer Musik.