Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

welche Auswirkungen die Corona-Pandemie in der Zukunft im Einzelnen und für jeden Einzelnen von uns hat, werden wir erst in ein paar Wochen oder Monaten konkret sagen können. Hoffnung im Moment gibt, dass auch in den Ländern Europas, die von der Pandemie am stärksten betroffen sind, langsam ein Rückgang der Neuinfektionen zu verzeichnen ist. Auch in Deutschland lassen die aktuellen Zahlen hoffen, aber wir sind noch weit entfernt von der sogenannten Normalität. Bis wir einen Impfstoff oder heilende Medikamente haben, müssen wir lernen mit dem Virus und den mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen zu leben.

Am Anfang der Krise haben wir in der Gemeindeverwaltung in einem kleinen Team täglich die Situation bewertet, die Maßnahmen diskutiert und die notwendigen Entscheidungen getroffen, um die Bevölkerung in Neuhausen bestmöglich zu schützen. Inzwischen treffen wir uns im Krisenstab noch drei Mal pro Woche, um aktuelle Entwicklungen und Verordnungen zu besprechen und die notwendigen, konkreten Umsetzungen für Neuhausen in die Wege zu leiten. Wir haben frühzeitig Schulen und Kindertageseinrichtungen geschlossen und im Rathaus einen Schichtbetrieb eingeführt, damit der Betrieb dauerhaft gewährleistet bleibt. Das Rathaus war eingeschränkt, aber die ganze Zeit für wichtige Anliegen unserer Bürgerinnen und Bürger geöffnet, auch eine Trauung hat stattgefunden. Gemeinderatssitzungen mussten aus Sicherheitsgründen leider abgesagt werden. Wichtige Entscheidungen konnten aber dennoch in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Gemeinderats getroffen werden, sodass es beispielsweise bei der Anton-Walter-Schule zu keiner Zeitverzögerung im Bauablauf gekommen ist.

Wir werden nun ab Montag auch das Rathaus wieder teilweise und sukzessive für den größeren Publikumsverkehr öffnen. Desinfektionsmittel stehen im Eingangsbereich des Rathauses bereit, bitte tragen Sie außerdem eine Mund-Nasen-Maske. Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern eine solche Maske tragen. Um Wartezeiten zu vermeiden, ist eine vorherige zentrale Terminabsprache unter Tel. 07158/1700-0 (Frau Weidner oder Herr Müller) unbedingt notwendig. Das gilt besonders, wenn Sie ein Anliegen haben, das Sie im Bürgerbüro erledigen müssen.

Die Schulen werden nun nach und nach, aber sehr langsam wieder geöffnet. Die Notbetreuung in den Kindertageseinrichtungen wurde ausgebaut. Sollten nicht genügend Plätze vorhanden sein, wird es eine Prioritätenliste geben müssen. Uns ist bewusst, dass es für Eltern eine sehr schwierige Zeit ist. Aber die Notbetreuung muss eine Notbetreuung in kleinen Gruppen und mit erhöhten Schutzmaßnahmen bleiben, denn nur so kann die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich gehalten werden. In einigen Einrichtungen sind die räumlichen Möglichkeiten für eine Vielzahl kleiner Gruppen nur eingeschränkt vorhanden, außerdem zählt ein Teil der Erzieherinnen zur Risikogruppe und kann nicht in der Notbetreuung arbeiten. Wann Kitas wieder für alle geöffnet werden können, steht derzeit noch nicht fest.
Viele von Ihnen beschäftigt sicherlich auch die Frage, ob unser Freibad in diesem Jahr wohl geöffnet wird. Es wäre uns ein großes Anliegen gerade in den Sommermonaten unser Freibad vor Ort zu haben. Aber ob und wann das Freibad in diesem Jahr geöffnet werden kann, wird sich erst noch zeigen.

Wann welche Entscheidungen getroffen werden, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Zahlen der Neuinfektionen entwickeln. Und wie sich die Zahlen entwickeln, hängt vom Verhalten und vom Verantwortungsbewusstsein von jedem Einzelnen von uns ab.
Viele der Menschen, die in Neuhausen an COVID-19 erkrankt waren, sind inzwischen bereits wieder gesund. Die meisten der Infizierten haben sich vorbildlich verhalten, haben die Quarantänebedingungen akzeptiert und Kontaktpersonen benannt. Andere haben dem Gesundheitsamt die Kontaktpersonen nicht genannt, das hat nicht nur deren Arbeit erschwert, sondern es auch verhindert, Infektionsketten zu unterbrechen. Ich appelliere an dieser Stelle noch einmal an alle, sich an alle Vorschriften und Vorgaben zu halten, denn jede und jeder Einzelne hat Verantwortung für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, für alle Kinder ebenso wie für alle Älteren.

Wie sich die Pandemie auf die finanzielle Situation der Gemeinde Neuhausen auswirken wird, lässt sich derzeit nur abschätzen. Klar ist es, dass wir in Zukunft weniger Geld zur Verfügung haben werden, denn auch unsere Gewerbetreibenden sind von der weltweiten Krise in hohem Maße betroffen. Wir hatten in den vergangenen Wochen viele Sonderausgaben im Rahmen der Corona-Krise. Und weniger Einnahmen, zum Beispiel in der Kinderbetreuung, obwohl dort die Kosten gleich geblieben sind. Als erstes, klares Signal, dass Städte, Kommunen und Landkreise in dieser Situation nicht alleine gelassen werden, werten wir hier die Soforthilfe des Landes.

Verwaltungsintern haben wir alle laufenden Aufwendungen sowie Investitionsausgaben auf ihre Notwendigkeit überprüft und – sofern möglich – die Realisierung gestoppt oder zeitlich verschoben. Sobald es möglich ist, werden wir gemeinsam mit dem Gemeinderat intensiv über Fragen der Finanzierung und über Priorisierungen beraten.
Die Gemeinderatssitzungen im März und April mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden, unaufschiebbare Entscheidungen wurden im Eilverfahren getroffen, andere im sogenannten Umlaufverfahren. Die geplante Sitzung Ende Mai wird voraussichtlich in der Egelsee-Festhalle mit den derzeit notwendigen Sicherheitsanforderungen stattfinden. Denn der öffentliche Diskurs – auch  in Gemeinderatssitzungen - ist ein wichtiges Standbein unserer Demokratie.

Vermutlich geht es Ihnen allen so wie mir. Ich freue mich sehr auf „normale Zeiten“, die wir nun mehr zu schätzen wissen, denn je. Bis es so weit ist, bleiben wir so zuversichtlich und optimistisch wie möglich und natürlich hoffentlich gesund.

Ihr Ingo Hacker
Bürgermeister Neuhausen auf den Fildern