„Ein absoluter Schutz ist nicht möglich“

Teilnehmer des Workshops

Serie Starkregenrisikomanagement Teil 2 – Starkregengefahrenkarten als Grundlage für eine Risikoanalyse und ein Handlungskonzept

Ein absoluter Schutz gegen die negativen Auswirkungen durch Starkregen ist nicht möglich. Durch geeignete Vorsorgemaßnahmen kann aber das Schadenspotenzial beziehungsweise das Gefährdungsrisiko verringert werden. Das Risiko durch Starkregen kann generell als Kombination von Gefährdung und Schadenspotenzial definiert werden. Um eine Gefährdung zu mindern, können bauliche Maßnahmen ergriffen werden, die das Wasser ableiten oder zurückhalten, mit geeigneten Vorsorgemaßnahmen kann außerdem das Schadenspotenzial reduzieren werden. „Ein möglichst effektives Starkregenrisikomanagement sollte möglichst beide Aspekte beinhalten“ (Zitat aus dem Leitfaden Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg). Und weiter: „Wesentlicher Bestandteil des Starkregenrisikomanagements sind die Starkregengefahrenkarten, in denen Flächen, die bei Starkregenereignissen besonders gefährdet sein können, gekennzeichnet sind. In diesen Karten sind die Überflutungsflächen und –tiefen bei Starkregenereignissen unterschiedlicher Intensitäten dargestellt, um kritische Bereiche und gefährdete Objekte zu identifizieren.“

Die Starkregengefahrenkarten mit drei möglichen Oberflächenabflussszenarien

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg hat Oberflächenabflusswerte einheitlich ermittelt und sie dem von der Gemeinde Neuhausen beauftragten Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg a.N. zur Verfügung gestellt. In die folgenden Berechnungen des Büros eingegangen sind statistische Wahrscheinlichkeiten zu Niederschlägen und Bodenfeuchte, Informationen zu Bodenverhältnissen, die Bodenbedeckung und die Topographie. Anhand dieser Daten wurden mit Hilfe eines Simulationsmodells Abflusswege, die Ausdehnung entstehender Überflutungen sowie die Überflutungstiefen und Wasserspiegellagen berechnet.

Auf dieser Basis entstehen Starkregengefahrenkarten. Sie bilden die Grundlage für die anschließende Risikoanalyse und die Erstellung eines Handlungskonzeptes.

Für die Starkregengefahrenkarten wurden drei Oberflächenabflussszenarien abgebildet: seltene, außergewöhnliche und extreme Starkregenereignisse.

Mit diesen Starkregengefahrenkarten kann die potenzielle Überflutungsgefährdung dargestellt werden, gleichzeitig helfen diese Karten, Risiken zu ermitteln und potenzielle Schäden abzuschätzen und zu bewerten. Resultat des Gesamtprozesses ist ein Handlungskonzept, in dem mögliche bauliche und nicht-bauliche Vorsorgemaßnahmen identifiziert und beschrieben werden

Auszug aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) § 5 Allgemeine Sorgfaltspflichten
Abs. 2: Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.

Kernaufgabe der Kommune

Die Kernaufgabe des kommunalen Überflutungsschutzes liegt in der Bewältigung von häufigen bis seltenen Niederschlagsereignissen im Bereich der Wiederkehrzeiten von 1 bis 5 Jahren und der seltenen von 10 bis 30 Jahren.
Anfallendes Außengebietswasser, das der Kanalisation bei häufigen und seltenen Niederschlagswasserereignissen zufließt, ist Abwasser und als solches entsprechend zu berücksichtigen.

Die Risikoanalyse – eine Aufgabe von vielen Einzelnen

  • Die Risikoanalyse für öffentliche Belange und öffentliche Infrastruktur liegt in der Verantwortung der Kommunen.
  • Die grundstücksbezogene Risikoanalyse für gewerbliche und private Objekte liegt in der Verantwortung der Betreiber bzw. Eigentümer.
  • Die Risikoanalyse umfasst eine verbale Risikobeschreibung für das Untersuchungsgebiet und bei Bedarf Steckbriefe für kritische Objekte.

Das Handlungskonzept – viele Bausteine

Ein Handlungskonzept im Rahmen des Starkregenrisikomanagements umfasst die Bausteine

  • Informationsvorsorge:
    Öffentliche Institutionen, Bürger, Industrie- und Gewerbebetriebe, Land- und Forstwirtschaft müssen über die bestehende Gefahr und Risiken aus Starkregenereignissen informiert werden, um ihr Risiko gegenüber Überflutungen aus Starkregenereignissen selbst einschätzen und jeweils geeignete Vorsorgemaßnahmen ergreifen zu können.
  • Kommunale Flächenvorsorge
  • Krisenmanagement
  • Konzeption kommunaler baulicher Maßnahmen

Konflikte zwischen Starkregenrisikovorsorge und anderen kommunalen Themenfeldern (z.B. Straßenplanung, Stadtplanung, Barrierefreiheit, Entwässerung, etc.) werden aufgezeigt. Auch in die Erstellung von Flächennutzungsplänen werden in Zukunft die Erkenntnisse aus dem Starkregenrisikomangement-Prozess einfließen.

Die Starkregengefahrenkarten werden im Dezember bei einer Veranstaltung den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt und außerdem auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht die Information der Bevölkerung, es wird darüber hinaus auch eine Anleitung zur Interpretation der Gefahrenlage geben. So können Bürgerinnen und Bürger mögliche Gefahren, die durch Starkregenereignisse entstehen können, bewerten, Risiken für ihr Eigentum und ihre Gesundheit ableiten und anschließend geeignete Schutzmaßnahmen umsetzen.