19. Mai 2017

Großes Vertrauen von allen Seiten

Karl Bayer wurde für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet – er erhielt die fünfte Bürgermedaille der Gemeinde Neuhausen

 „Er hat mehr Ehrennadeln zu Hause als die meisten von uns Stricknadeln“, sagt Hans Bayer, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Neuhausener Vereine (ANV), über Karl Bayer. Dieser engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich in Neuhausen, in den verschiedensten Vereinen und seit 2001 als ehrenamtlicher Archivar der Gemeinde. Am 12. Mai wurden ihm auf Antrag der ANV im Ochsensaal nun die Bürgermedaille und die Ehrennadel der Gemeinde Neuhausen verliehen.
Karl Bayer ist ein wandelndes Lexikon: Es gibt keine Frage aus der Heimatgeschichte, auf die er keine Antwort weiß. Und wenn er nicht gleich die Antwort weiß, weiß er genau, wo er sie suchen muss. Er gehöre zum „alten Neuhäuser Adel“, wie er lachend sagt. Seine Vorfahren sind 1633 aus Lauda eingewandert. Und auch zum „Ochsen“ hat er eine besondere Verbindung: Sein Vorfahre Michael Bayer hatte die Gaststätte 1706 gebaut, zwischenzeitlich wurde sie abgerissen, sein Ururgroßvater hat dann den vorderen Teil wieder neu aufgebaut.
Die Ehrungsfeier fand im etwas jüngeren Ochsensaal statt, „dem schönsten Saal auf den Fildern“, wie Karl Bayer findet. Vor der Ehrung führte die Bürgergarde für ihn eine festliche Serenade auf. Ein Stück hatte er sich selbst ausgesucht: „,Feurig Blut‘ war der Titel des ersten Marsches, den habe ich in meiner Jugend oft gespielt, er hat mir schon immer sehr gut gefallen.“ Ein komisches Gefühl sei es schon gewesen, mal auf der anderen Seite zu stehen, nicht mitzuspielen, sondern geehrt zu werden. „Aber das nächste Mal ist das ja wieder anders.“
Die Liste seiner Ehrenämter ist lang, der Schwerpunkt liegt in den Bereichen Musik und Geschichte. Er hat auch immer Verantwortung übernommen: Er war Vizedirigent und Dirigent beim Musikverein, Ausbilder und im Vorstand aktiv. Schon 1980 erhielt der heute 71-Jährige seine erste Ehrennadel in Silber für 20-jähriges Engagement. Er dirigierte den Musikzug der Bürgergarde und war im Ausschuss aktiv, außerdem ist er seit 1989 einer der führenden Köpfe bei der Gemeinschaft für Heimatgeschichte. Karl Bayer organisiert immer wieder historische Ausstellungen, unvergessen ist jene im Jahr 2003 zur 850-Jahr-Feier der Gemeinde. Und zusammen mit Winfried März hat er mehrere historische Bücher erarbeitet und herausgegeben. „Derzeit sind es fünf, die nächsten vier sind in Arbeit“, erzählt er und lacht.
Bürgermeister Ingo Hacker würdigte ihn in seiner Laudatio als „Jäger und Sammler“. Karl Bayer kenne viele Neuhäuser, das öffne ihm viele Türen. Seiner liebenswerten, humorvollen, optimistischen und sympathischen Art sei es zu verdanken, dass ihm die Leute auch ihre Schatztruhen öffnen. Schätze sind für Karl Bayer alte Geschichten und Anekdoten, historische Briefe und Fotoalben. Er habe dem Puzzle der Geschichte des Ortes viele entscheidende Teile hinzugefügt, „damit wir unsere Geschichte besser verstehen“, betonte Hacker. Und immer wenn Bayer gefragt werde, erzähle er von der Geschichte, bei Führungen für Kinder und Erwachsene - durch den Ort, zum Friedhof, zu den Kapellen, durch den Volk’schen Salon, ein vollständig erhaltenes Salonensemble aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. „Damit Geschichte transparent und erlebbar wird, brauchen wir Leute, die von der Geschichte erzählen und die Geschichten erzählen, Leute wie Karl Bayer“, sagte der Bürgermeister. Und er verriet auch, wie dieser unter Kennern genannt wird: „Ahnen-Karle. Damit bist du selbst ein Teil unserer Geschichte geworden.“
Als Vollblutmusiker bezeichnete ihn Hans Bayer: Zunächst habe er Tenorhorn, später Bariton gespielt, jetzt spiele er Tuba. „Es wird Zeit, dass der Musikverein ein Sousaphon anschafft.“ Als Karl Bayer acht Jahre alt war, trat er in die Knabenschola ein und wurde dort Vorsänger. Im gleichen Alter fand er beim Spielen Scherben aus der Keltenzeit und seine Liebe zur Geschichte war geweckt. Musik und Geschichte begleiten Karl Bayer nun fast sein ganzes Leben: „Es macht einfach Spaß, wenn man sieht, was dabei herauskommt.“ In seiner Rede äußerte er den Wunsch auf mehr Unterstützung für die Heimatforschung allgemein – gerne auch vom Gemeinderat und er wünscht sich Interessierte, die ihn möglicherweise bei seiner Arbeit im Archiv unterstützen. Die erste Bürgermedaille wurde im Jahr 2013 verliehen, die bisherigen Preisträger sind Emil Leupoldt, Jacqueline Curial und Christian Chanel sowie Werner Präg.