Geschichte hautnah erleben

Unterschiedliche Epochen prägten auch die Geschichte von Neuhausen. Die Sehenswürdigkeiten mit ihren Besonderheiten spiegeln einen Teil dieser Geschichte wider.

Der archäologische Wanderweg

Der Sauhag ist ein alter Kulturwald und war einst im Besitz des Klosters Denkendorf. Mehrere gut erhaltene metallzeitliche Grabhügelfelder und römische Anlagen blieben erhalten.

Diese Denkmäler wurden in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Neuhausen, dem Staatlichen Forstamt und dem Landesdenkmalamt durch einen archäologischen Wanderweg für die interessierte Öffentlichkeit erschlossen.

Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz "Sauhag" am südlichen Ortsausgang von Neuhausen in Richtung Wolfschlugen. Dort befindet sich auch ein Übersichtsplan. Die Länge des Rundwanderweges beträgt rund 6,4 Kilometer.

Grabhügel und römische Häuser

Zu entdecken sind zwei  Grabhügelgruppen, eine im "Scharnholz", die andere, frühkeltische Grabhügelgruppe mit 15 Hügeln stammt aus der Hallstattzeit /750 - 500 v.Chr.). Weitere Stationen sind eine römische Jupiter - Gigantensäule auf dem Terrain eines mutmaßlichen römischen Gutshofes an der "Riedquelle", Mauerreste einer Villa Rustica, Reste eines römischen Straßendammes und eines römischen Gebäudekomplexes, in deren Nähe vermutlich die Reste eines kleinen Merkurtempels liegen.

Die große Dichte der römischen "villae rusticae" steht sicherlich im Zusammenhang mit der Versorgung des nur wenige Kilometer entfernt gelegenen Kastells Köngen - GRINARIO und dessen "Vicus".

Die historische Walcker Orgel

In der Pfarrkirche St. Petrus und Paulus zu Neuhausen, erbaut 1850 - 1852 und wegen ihrer Ausmaße auch gerne "Filderdom" oder "größte Dorfkirche Europas" genannt, befindet sich auf der Westempore eine historische Orgel von internationaler Bedeutung.
Das Instrument wurde 1854 mit 32 Registern auf 2 Manualen von Eberhard Friedrich Walcker aus Ludwigsburg erbaut. Er gilt als bedeutendster Orgelbauer des 19. Jahrhunderts.

Leben und Werk von E.F. Walcker

E.F. Walcker wurde 1794 in Cannstatt geboren und erhielt viele Auszeichnungen, er starb 1872 in Ludwigsburg. Erbaut hatte er 266 Instrumente mit innovativer Technik (Erfindung der sogenannten Kegellade) und einem bis dahin unbekannten, äußerst fülligen, romantischen Klangvolumen.
Er lieferte die bis dahin größten Orgeln der Welt in die Frankfurter Paulskirche, in die Dome von Riga, Petersburg, Zagreb, Helsinki, aber baute auch im Land bedeutende Instrumente; so in der Stuttgarter Stiftkirche, in St. Kilian Heilbronn und im Ulmer Münster die bis dahin größte Orgel mit 100 Registern.
Durch die beiden Weltkriege, die Erfindung des elektrischen Stroms und nicht zuletzt durch veränderten Musik- und Klanggeschmack wurden fast alle Walcker- Orgeln im Laufe der Zeit mehr oder weniger zerstört.

Die Walcker - Orgel in Neuhausen

Zwar ging die Zeit auch in Neuhausen nicht spurlos an der Walcker- Orgel vorüber, dennoch blieb das Instrument bis auf das Gehäuse und einige Eingriffe im Pfeifenmaterial im Wesentlichen erhalten und stellt ein klingendes Kunstdenkmal erster Güte dar.
Mit großem finanziellem Engagement wurde die Orgel in den Jahren 2004 und 2005 unter strengen Auflagen des Denkmalamtes restauriert. Eingeweiht wurde die Orgel am 26. Juni 2005 mit einem Festgottesdienst mit Orgelweihe.

Konzertreihe mit bekannten Organisten

Außerdem organisiert der Kirchenmusikdirektor Markus Grohmann Konzertreihen mit bedeutenden Organisten.
Infos dazu finden Sie hier.

Der Volk'sche Salon

Der Volk’sche Salon – Von 1885 bis 1936 und heute

 

Anlässlich der Hochzeit von Albertine Bundschu und Josef Volk am 9. August 1885 in Neuhausen erhielt das junge Paar von den Brauteltern ein Ensemble aus schwarz lackierten Möbeln und einer grünen Sitzgarnitur.

 

Die stilistischen Merkmale des Salon-Ensembles entsprechen dem in den 70-er und 80-er Jahren des 19. Jahrhundert vor allem beim wohlhabenden Bürgertum verbreiteten Neo-Renaissance-Stil. Dieser Stil wird auch als „altdeutscher Stil“ bezeichnet. Zu dem Ensemble gehören ein Damensekretär und ein Vertiko mit Aufsatz, ein Wandschränkchen, eine Chinoiserie und ein Pfeilerspiegel sowie ein Regulator (eine Wanduhr mit einem Pendel). Die Möbel sind schwarz lackiert, eingraviert ist ein stilisiertes Rank- und Blütenornament.

 

Zwischen 1885 und 1936 war der Salon der Familie Volk nicht nur ein Treffpunkt für die Familie und Freunde, sondern ein Zentrum des kulturellen Lebens in Neuhausen. Die Sammlung spiegelt das gesellschaftliche, soziale und kulturelle Engagement von Josef Volk und seiner Familie.

 

Josef Volk hatte zusammen mit seiner Frau Albertine 11 Kinder, er war Oberlehrer, leitete 47 Jahre den Sängerbund, war Gemeinderat, Mitglied im Ortsschulrat, Organist und im Kirchenstiftungsrat. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrendirigenten des Sängerbundes und zum Ehrenbürger der Gemeinde Neuhausenauf den Fildern ernannt.

 

Zum dem Ensemble gehören neben den Möbelstücken ein Klavier, kunsthandwerkliche Gegenstände, Porzellan und Besteck, Fotografien und Zeichnungen, Noten, Schmuck und eine wertvolle Postkartensammlung.

 

Marzella Volk, die Tochter von Josef und Albertine Volk, vermachte das Ensemble 1994 der Gemeinde Neuhausen auf den Fildern. Bis heute ist der „Volk’sche Salon“ vollständig erhalten.

 

Er ist ein wichtiges Zeugnis der Salonkultur um die Wende zum 20. Jahrhundert.

Sie finden den "Volk'schen Salon" in unserem Bildungszentrum (Schlossplatz 7). Führungen bietet nach Absprache Herr Karl Bayer, Tel. (07158) 5199.